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Wie werde ich Funkamateur?

Inhalt

1. Was ist Amateurfunk?
2. Die gesetzlichen Vorausetzungen
3. Prüfungsinhalte der Lizenzprüfung
4. Die Unterschiede der einzelnen Lizenzklassen
5. Überlegungen für Interessenten an Amateurfunk
6. Wege zur Lizenzprüfung
6.1 Selbststudium durch Literaturarbeit
6.2 Teilnahme an einem Fernlehrgang
6.3 Teilnahme an einem Lizenzkurs
6.4 Wer sollte an einem Kurs teilnehmen?
7. Ausgewählte Literatur für Interessenten am Amateurfunk

1. Was ist Amateurfunk?

Amateurfunk ist eine interessante und sinnvolle Freizeitbeschäftigung für Menschen mit technischem Interesse. Funkamateure haben u.a. die Möglichkeit, Funkgeräte, Antennen und Zubehör selbst zu bauen oder gekaufte Geräte zu verändern. Dies schult das logische Denken, übt die Anwendung von erworbenen Wissen und entwickelt Phantasie und Kreativität. Nebenbei erlaubt der Amateurfunk auch Kommunikation und Austausch mit anderen, schafft neue Freundschaften und vermittelt Erfolgserlebnisse. Um an diesem Hobby teilnehmen zu können, benötigt der Interessent eine Amateurfunkgenehmigung (Lizenz). Diese Lizenz soll sicherstellen, daß nur geeignete Personen am Amateurfunk teilnehmen. Wie Sie diese Lizenz erlangen können, soll in nachfolgendem Referat kurz erläutert werden. Falls, wie ich hoffe, Fragen offen bleiben, setzen Sie sich bitte mit mir unter o.a. Adresse in Verbindung.

2. Die gesetzlichen Vorausetzungen

In Deutschland, wie auch in allen anderen Ländern der Welt, ist eine Amateurfunksendegenehmigung an das Ablegen einer fachlichen Prüfung gebunden. Dies unterscheidet den Amateurfunk von beispielsweise dem CB-Funk. Wer die gesetzlichen Vorbedingungen erfüllt, kann an dieser Prüfung teilnehmen. Diese Bedingungen sind:
Der Bewerber muß seinen Hauptwohnsitz in Deutschland haben.

Polizeiliches Führungszeugnis und Mindestalter sind nicht mehr erforderlich.

Sind diese Vorausetzungen erfüllt, kann der Bewerber an einer fachlichen Prüfung für Funkamateure teilnehmen. Diese werden in regelmäßigen Abständen von den Außenstellen des Bundesamtes für Post und Telekommunikation (BAPT) abgehalten. Im Großraum Karlsruhe befindet sich diese Behörde in der Steinhäuser Str. neben dem ADAC-Gebäude.

Nach bestandener Prüfung erhält der Kandidat einAmateurfunkzeugnis ausgehändigt. Er kann jetzt ein Rufzeichen beantragen. Nahc Erteilung des Rufzeichens ist er/sie fortan berechtigt, am Amateurfunk teilzunehmen und die dazu erforderlichen Geräte (Sender, Empfänger und Meßgeräte) zu besitzen und im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zu betreiben.

Die dafür erhobenen Gebühren betragen derzeit (1999) DM 3,- pro Monat.

3. Prüfungsinhalte der Lizenzprüfung

Die Prüfung besteht aus 3 Teilen, die alle am gleichen Vormittag (Samstag) abgenommen werden:

Technische Kenntnisse
Betriebsabwicklung
Gesetzliche Vorschriften

Jeder Prüfungsteil dauert ca. 1 Stunde, die technische Prüfung wegen des größeren Umfangs etwas länger, die beiden anderen etwas kürzer. Alle Prüfungen sind reine theoretische Prüfungen und beinhalten keine praktischen Teile. Es wird im Multiple-Choice-Verfahren geprüft.

Eine Ausnahme ist die Prüfung in Morsetelegrafie, die u.U. auch abgelegt werden muß. Nämlich dann, wenn der Bewerber die Lizenz der Klasse 1 anstrebt, die zum Betrieb auf den Kurzwellenbändern berechtigt. Für eine reine UKW-Lizenz (Klasse 2) entfällt dieser Prüfungsteil. Ansonsten sind die Prüfungsteile für alle Bewerber völlig identisch.

Für die neu geschaffene „Einsteigerklasse“ 3 werden nur 20 statt 40 Fragen gestellt.

In allen Prüfungsteilen müssen mindestens 75% der Punkte erreicht werden.

Für die Klasse 1 sind zusätzlich noch Morsezeichen sowohl zu hören als auch zu geben und zwar mit einer Geschwindigkeit von 60 Zeichen pro Minute.

Die Prüfungsteile Betriebsabwicklung und Gesetzliche Vorschriften müssen mit ebenfalls jeweils 75 von 100 max. möglichen Punkten bestanden werden.

4. Die Unterschiede der einzelnen Lizenzklassen

Die Klasse 3 berechtigt zum Betrieb auf dem 2m-Band und dem 70cm-Band, Die maximale Sendeleistung darf 10 W EIRP nicht überschreiten.

Die Genehmigung der Klasse 2 berechtigt zum Betrieb nur auf den UKW-Bändern, also ab einer Frequenz von 144.150 MHz aufwärts (2m-Band ohne Telegrafiebereich) mit einer Sendeleistung von max. 750 W.

Die Klasse 1 ist die höchste Stufe und beinhaltet alle Betriebsmöglichkeiten auf allen in Deutschland zugelassenen Amateurfunkbändern. Die max. Ausgangsleistung des Senders darf 750 W nicht überschreiten.

Ergänzend sei gesagt, daß keine Amateurfunklizenz zum Betrieb eines CB-Gerätes auf dem 11m- Band berechtigt, ebenso nicht den CB-Betrieb mit einem auf dem 11m-Band sendefähigen Amateurfunkgerät.

Hinweis: Die Lizenklasse 2 kann durch eine Erweiterungsprüfung in Telegrafie in die Klasse 1 umgewandelt werden.

Die Prüfung kostet z.Zt. eine Gebühr zwischen 90,- und 120,- DM je nach Lizenzklasse.

5. Überlegungen für Interessenten an Amateurfunk

Wer eine Amateurfunklizenz anstrebt, sollte sich vorher einige Gedanken zu verschiedenen Punkten machen. Es sind dies im wesentlichen:

Welche Lizenzklasse strebe ich für’s erste an? (Kurzwelle oder UKW) Welche Vorkenntnisse, insbesondere in Elektrotechnik, Physik und Hochfrequenztechnik habe ich bereits?

Welchen zeitlichen Aufwand zum Erarbeiten des Prüfungstoffes kann ich mir leisten (bedingt durch berufliche und familiäre Situation etc.)? Kann ich an einem Kurs regelmäßig teilnehmen? Welcher Lerntyp bin ich, lerne ich lieber alleine anhand von Literatur oder mit anderen zusammen, beispielsweise in einem Lizenzkurs?

Allgemein läßt sich aus meiner Erfahrung nach 10 Jahren Lehrtätigkeit an der VHS Karlsruhe sagen, daß der Prüfungsteil „Technik“ den Teilnehmern die größten Schwierigkeiten bereitet.

Die beiden anderen Teile „Betriebsabwicklung“ und „Gesetze“ sind eher Fächer, bei denen sich das Wissen durch Lernen aus Büchern und beständigem Wiederholen vergleichsweise leicht selbst erarbeiten läßt. Diese beiden Prüfungsteile eignen sich daher recht gut für das Selbststudium und die wenigsten Kandidaten scheitern in der Prüfung daran.

6. Wege zur Lizenzprüfung

Die Erarbeitung des Lehrstoffes kann, abhängig von Vorkenntnissen und Lerntyp auf unterschiedlichste Weise geschehen:
- Selbststudium durch Arbeiten mit Amateurfunkliteratur
- Teilnahme an einem Fernlehrgang
- Teilnahme an einem Lizenzkurs (DARC-Ortsverband, Funkvereine oder Volkshochschule)

6.1 Selbststudium durch Literaturarbeit

Diese Art der Prüfungsvorbereitung kommt hauptsächlich für solche Interessenten in Betracht, die

- ihr eigenes Lernen und die zeitlichen Abläufe gut selbst organisieren können, also über entsprechende Lerntechniken verfügen, und

- bereits gewisse Vorkenntnisse haben

- weiterhin die Möglichkeit haben, im Bedarfsfall eigene Experimente durchzuführen, um den Lehrstoff zu vertiefen und zu ergänzen. Gemeint sind hier also vorwiegend Leute, die bereits etwas mit Hobbyelektronik und elektronischen Schaltungen gearbeitet haben.

6.2 Teilnahme an einem Fernlehrgang

Hier wird im Vergleich zum vorher aufgezeigten Beispiel vom Interessenten weniger eigene Initiative verlangt, weil der Unterrichtsstoff in didaktisch (hoffentlich) gut durchdachten Enheiten ins Haus kommt. Man spart sich also die Anschaffung von Lehrbüchern, bei manchen Kursen wird auch Experimentiermaterial mitgeliefert. Weiterhin kann der Lernende bei einem qualitativ hochwertig gestalteten Kurs seinen Lernfortschritt kontrollieren.

Leider zeigt sich bei einer Analyse der didaktischen und methodischen Qualität von Fernlehrgängen recht große Unterschiede. Daher soll folgende, leider unvollständige, Checkliste helfen, den richtigen Lehrgang zu finden, der eine qualitative Mindestanforderung erfüllt. Folgende Fragen sind vor der Bestellung eines Fernkurses zu stellen:

- Spricht mich das Unterrichtsmaterial an, ist es gut verständlich gestaltet und übersichtlich?
- Enthält es Anleitungen oder, besser noch, Material für eigene Versuche?
- Gibt es eine permanente Überprüfung meiner Unterrichtsfortschritte? Etwa in Gestalt von
Kontrollfragen mit Lösungen oder, besser noch, Tests, die von einem Korrektor durchgesehen und korrigiert werden? Wie ist die Qualität dieser Korrektur? Kann ich aufgrund der Korrektur zukünftige Fehler vermeiden?

Der Interessent sollte in jedem Falle eine Probezeit vereinbaren (ca. 1 - 3 Monate), in der er das Material kostengünstig prüfen kann. Keinesfalls sollte man vorschnell einen Vertrag oder eine Bestellung für einen vollständigen Kurs abschließen!

Der Nachteil der Methode liegt in den vergleichsweise hohen Kosten von ca. 600,- DM pro Kurs an aufwärts.

Eine Auswahl von Anbietern von Fernkursen kann man im Anzeigenteil der Zeitschrift cqDL, der Clubzeitschrift des DARC, nachlesen. Wer nicht Mitglied im DARC ist, kann diese Zeitschrift in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe einsehen, wo sie im Lesesaal ausliegt.

6.3 Teilnahme an einem Lizenzkurs

Lizenzkurse werden in regelmäßigen Abständen von verschiedenen Organisationen angeboten:
- Den Ortsverbänden des Deutschen Amateur Radio Club (DARC)
- Anderen Amateurfunkvereinen
- Privat organisierte Kurse mit einem Funkamateur als Kursleiter, der gewisse didaktische und methodische Fähigkeiten hat
- Volkshochschulen (VHS)

Informationen über Lizenzkurse des DARC gibt es beim

DARC
Postfach 1155
34216 Baunatal
Tel.: 0561/949800

Ein Anruf bei einer Volkshochschule in der Nähe kann auch Informationen erbringen, ob und wann derarige Kurse angeboten werden.

6.4 Wer sollte an einem Kurs teilnehmen?

Lizenzkurse sind besonders geeignet für solche Interessenten, die wenig Vorkenntnisse haben. Achten sollten Sie jedoch darauf, daß Sie vor der Belegung des Kurses mit dem Kursleiter absprechen, welche Vorkenntnisse Sie besitzen und welches Niveau der Kurs beim Beginn aufweisen soll. Es könnte nämlich sonst leicht sein, daß Sie durch den Lehrstoff unter- oder überfordert wären. Ersteres wäre Zeitverschwendung, letzteres vergebliche Mühe.

Natürlich ist das Lernen mit einer Gruppe von Gleichgesinnten anders geartet als das Selbststudium. Man muß Kompromisse machen, manchmal geht der Unterricht zu langsam oder zu schnell. Innerhalb der Gruppe gibt es Sympathie und Abneigung etc. Generell läßt sich jedoch sagen, daß das Lernen mit Gleichgesinnten für die meisten Teilnehmer eine angenehme und bereichernde Erfahrung ist. Zum Teil auch deshalb, weil viele erkennen, daß andere genau die gleichen Schwierigkeiten haben wie man selber.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß man selbst Lerngruppen organisieren kann (besonders vor der Prüfung), um den Erfolg noch zu steigern. Auch hat man nach bestandener Prüfung gleich ein paar Ansprechpartner, mit denen man die erste Zeit Funkverbindungen (QSOs) abwickeln kann, wenn man noch nicht so vertraut ist mit dem Betriebsablauf auf den Amateurbändern und noch keinen großen Bekanntenkreis unter den „alteingessenen“ Amateuren hat.

Wichtig: Wer an einem Kurs teilnimmt und nicht über sehr gute Vorkenntnisse verfügt, sollte in jedem Falle sicherstellen, daß er an allen Unterrichtsstunden teilnehmen kann, oder zumindest durch Abwesenheit entstandene Lerndefizite selbst auszugleichen in der Lage ist.

Der Nachteil von Lizenzkursen ist, wie bei allen anderen schulischen Unterrichtsformen, daß der Lernende nicht ausreichend individuell seinen Lernfortschritt steuern kann, sondern immer in etwa auf dem Niveau der anderen Gruppenmitglieder gehalten wird. Dafür sind die Kurse aber relativ preisgünstig, die Spanne reicht von 100,- bis 300,- DM.

Eine Besonderheit sind die vom DARC verschiedentlich angebotenen Intensivkurse. Sie dauern i.d.R. zwei Wochen. Man kann sich also leicht vorstellen, was für eine Belastung die Teilnehmer erwartet. Vom pädagogischen Standpunkt rate ich daher von solchen Veranstaltungen ab, obwohl viele ehemalige Teilnehmer von dem Konzept überzeugt sind. Ein durchschnittlicher Lizenzkurs dauert dagegen ein halbes bis ein Jahr.

7. Ausgewählte Literatur für Interessenten am Amateurfunk

Ein kompletter Lizenzlehrgang, bestehend aus 4 Bänden ist

Moltrecht, Eckhart, Amateurfunk-Lehrgang, Teil 1 - 4, Stuttgart 1984

Dieses Werk ist aber zur Zeit schwierig zu erhalten, da es vom Verlag nicht neu aufgelegt wurde. Es eignet sich gut für das Selbststudium, auch wenn man keine oder nur wenig Vorkennntisse hat.


Wer über gute Grundkenntnisse verfügt, kann sich befassen mit

Cuno, Hans H., Vorbereitung auf die Amateurfunklizenzprüfung, Stuttgart 1976

Dieses Werk ist jedoch etwas knapp gehalten, so daß Lernende mit wenig Vorkenntnissen Schwierigekeiten bei der Erarbeitung des Stoffes haben werden.


Der DARC-Verlag bietet ebenfalls Literatur an, über die ich allerdings keine Aussagen machen kann, weil ich die Bücher bis dato noch nicht gesichtet habe:

Vorbereitung auf die Lizenzprüfung, DARC-Verlag Baunatal, Preis: 29,80 DM. Einstieg in die Amateurfunktechnik, Teil 1 und 2, Preis 17,60 DM bzw. 15,60 DM

Bestelladresse: DARC-Verlag, Postfach 1155, 34216 Baunatal



Für die Erarbeitung der Grundlagen der Elektrizitätslehre eignen sich Schulbücher der 8. bis 10. Klasse (Realschule/Gymnasium). Wer derartige Bücher noch zu Hause hat, kann die „verstaubten“ Schulkenntnisse gerne wieder auffrischen.