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Amateurfunk im Urlaub

Warum Amateurfunkgeräte mit in das Urlaubsland mitnehmen?
Lizenzbestimmungen in anderen Ländern
Reisevorbereitungen
Stromversorgung
Antennen
Messgeräte, Ersatzteile und Werkzeug
Auswahl der Unterkunft
Der Weg ist das Ziel: Fragen beim Reisen
Standortfragen
Störungen
Die einfachste Ausrüstung

Warum Amateurfunkgeräte mit in das Urlaubsland mitnehmen?

Amateurfunk macht Spaß und im Urlaub findet mancher mehr Zeit für das Hobby. Außerdem kann es sehr interessant sein, ein seltenes Land zu "aktivieren", ohne direkt eine „DXpedition" veranstalten zu wollen. Eine DXpedition ist in der Regel für die meisten Amateure zu nervenaufreibend und teuer. Amateurfunk im Urlaub darf daher nicht mit dieser zeit- und kostenintensiven Beschäftigung verglichen werden. Es sollte trotz aller Spaßaktivität immer noch Zeit für andere Aktivitäten (Kultur, Sport) bleiben.

Kontakt mit Freunden zu Hause halten

Verabredungen (skeds) mit den Zuhausegebliebenen sind wohl die Regel. Dabei muss man sich im Klaren sein, welche Entfernung ins Heimatland sich ergibt. Dies ist relevant wegen der Bandauswahl in Bezug auf die tote Zone. Das südliche Europa (Spanien, Süditalien, Malta, Griechenland) lässt sich auf dem 20m-Band im Sommer am besten erreichen. Südfrankreich ist tagsüber auf 40m und abends auf 80m i.d.R. gut zu arbeiten.

Außereuropäische Länder sind schwieriger verlässlich zu arbeiten. Verbindungen in die Karibik sind tagsüber auf 20 m und 15 m gut zu tätigen, vorausgesetzt die Sonnenaktivität ist entsprechend.

Nette Menschen vor Ort kennenlernen

Ein wichtiger Faktor des Amateurfunks im Urlaub ist die Möglichkeit, direkt am Ort andere Amateure kennenzulernen und so das Gastland aus einem nicht primär touristischen Blickwinkel zu erleben. Vielfach sprach ich mit ortsansässigen Amateuren über ein Relais oder über eine Kurzwellenverbindung im Nahbereich und wurde gleich darauf freudig zum Kennenlernen, Essen und einem Familienbesuch eingeladen.

Wichtig dabei sind natürlich Kenntnisse in der Landessprache oder zumindest Englisch.

Lizenzbestimmungen in anderen Ländern

Kompetente Informationen über das Lizenzrecht des jeweiligen Landes und den Erwerb einer Gastlizenz erhält man vom DARC in Baunatal (0651 - 94988-0).

Europa

In ganz Europa gilt mittlerweile die CEPT-Regelung, so dass hier keine Einschränkungen in bezug auf Amateurfunkaktivitäten bestehen. Der Amateur muss seinem Rufzeichen lediglich den Landeskenner des Gastlandes voranstellen und als Suffix eine Kennzeichnung für Portabel (/p in CW bzw. stroke portable (sprich portebl ) in Phonie hintenanstellen.

Zu beachten sind die jeweiligen Lizenzbestimmungen des Gastlandes, insbesondere die evtl. geltenden Leistungsbeschränkungen, die aber für Portabel- oder Mobilbetrieb keine Rolle spielen.

Ein Sonderfall in Europa ist Malta (9H). Hier benötigt man eine Gastlizenz, die man vom Departement of Wireless Telegraphy, Evans Building, Valetta, Malta gegen eine Gebühr von 4 Maltesischen Pfund (ca. 10,-€) erhält, die aber nur für einen kürzeren Aufenthalt gültig ist und bei einem weiteren Besuch neu beantragt werden muss. Man erhält ein 9H3-Rufzeichen, das aber bei späteren Besuchen wieder zugeteilt wird. Malta ist nebenbei bemerkt sehr interessant, weil es ein eher seltenes Land ist und man schöne Pile-Ups erzielen kann.

Karibische Länder

Einige Inseln der Karibik (St. Lucia, Barbados (8P)) erlauben die Lizenzbeantragung nur direkt persönlich vor Ort. Dies kann unter Umständen Probleme bei der Einreise aufwerfen, wenn man zwar Geräte dabei hat, aber noch keine Lizenz vorweisen kann. Im ungünstigen Falle kann es zu einer kurzfristigen Beschlagnahme der Ausrüstung kommen und man die Geräte auslösen kann, wenn man im Besitz der notwendigen Papiere ist.

Die Gebühren auf diesen beiden Inseln betragen etwa 30,-€.

Reisevorbereitungen

Funkausrüstung

Es ist klar, dass für einen Auslandsaufenthalt nur kleines und leichtes Euqipment in Frage kommt. Zusätzlich stellt sich die Frage der Stromversorgung, die in erster Linie abhängig von der Senderausgangsleistung ist.

In de letzten Jahren hat sich beim Verfasser die QRP-Ausrüstung durchgesetzt. Vorausetzung dafür ist allerdings, dass man sich klar macht, dass es wohl schwierig sein dürfte mit geringer Sendeleistung eine größere Anzahl Verbindungen abzuwickeln. Grundsätzlich kann man sagen, dass man mit einer Sendeleistung von max. 10 W bei einer Stunde Funkbetrieb durchschnittlich etwa 10-15 QSOs in dieser erreichen kann. Natürlich hängt dies von einer ganzen Anzahl Faktoren ab, was aber später noch näher erläutert werden soll.

Der Vorteil der QRP-Ausrüstung liegt besonders bei Flugreisen in der Tatsache, dass alle Ausrüstungsgegenstände, inklusive ein Minimalbestand an Werkzeug in einen Koffer oder einen Rucksack passen, der im Handgepäck mitgenommen werden kann. Länger andauernde Pile-Ups sind, gute Bandbedingungen und ein attraktiver Landeskenner vorausgesetzt, aber nur mit höherer Sendeleistung (80-100 W) möglich.

Stromversorgung

Die Art der Energieversorgung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Für Betrieb mit hoher Leistung wird in der Regel ein Netzgerät mitgenommen werden müssen, es sei denn man ist mit dem Auto unterwegs und kann die Fahrzeugbatterie verwenden.

Auch sollte man sich über die Netzversorgung im Zielgebiet informieren. Karibische Länder und die USA haben eine elektrische Netzspannung von 117 V mit 60 Hz Netzfrequenz. Hier haben sich Schaltnetzteile gut bewährt, die automatisch den abweichenden Spannungswert erkennen, die aber aufgrund ihrer integrierten Technik Störungen im Empfänger verursachen. Ein Problem sind die oft abweichenden Steckersysteme in den außereuropäischen Ländern. Hier muss man rechtzeitig vor Beginn der Reise Adapter besorgen oder sich selbst ein Netzkabel herstellen.

Antennen

Der kritischste Punkt überhaupt, und leider im vornherein gar nicht einzuschätzen sind die Antennenmöglichkeiten am Urlaubsort, wie schon vorher bei der Wahl der Unterkunft erwähnt wurde. Man sollte daher immer auf alles vorbereitet sein. Was aber tun, wenn man aus Gewichtsgründen nicht 10 verschiedene Antennen für 5 Bänder mitnehmen kann?

Man sollte sich zuerst einmal darüber im klaren sein, welche Bänder man aus dem Urlaub hauptsächlich benutzen will. In der Regel werden dies die kürzeren Kurzwellenbänder sein (20, 15 und 10 m). Dies hat zuerst den Vorteil, dass man weniger Raum für die Antenne selbst braucht, also Konflikte mit Hotelnachbarn oder gar dem Management nicht so wahrscheinlich sind, wenn auch bemerkt werden muss, dass Hoteliers den Wünschen der Gäste, und seien sie noch so sonderbar, häufig gerne nachkommen. Andererseits sind auf den höheren Bändern die Weitverkehrsmöglichkeiten größer und man ist nicht so sehr von lokalen Störungen betroffen.

Es haben sich Dipole als auch Vertikalantennen bewährt. Diese Anordnungen decken die 2 grundsätzlichen Möglichkeiten eine Antenne aufzubauen ab: Ein selbsttragendes System mit Mast und eine Aufhängung an Punkten der Umgebung.

Vergessen darf man auch nicht, ausreichend Kabel mitzunehmen, aus Gewichtsgründen ist hier RG 58 empfohlen. Es hat sich bewährt 2 Stücke mit je 10 und 8 m Länge mitzuführen, die dann im Bedarfsfalle durch ein Kupplungsstück verbunden werden können.

Als Antennenträger für selbsttragende Antennen können einerseits die bekannten Fiberglassangelruten verwendet werden. Andererseits kann man auch am Urlaubsort schauen, dort gibt es oft brauchbares natürliches Material. In südlichen Ländern findet man manchmal Bambusstangen oder ähnliche Naturstoffe.

Messgeräte, Ersatzteile und Werkzeug

In der Regel ist ein Minimalvorrat an Werkzeug mehr als ausreichend. Es sind dies

· einige Schraubendreher
· eine Flachzange
· ein Saitenschneider
· ein Taschenmesser
· Kabelbinder in verschiedenen Größen
· einige Kabel mit Krokodilsklemmen
· Kunststoffschnur
· Isolierband

Außerdem ist ein Vielfachmessgerät angezeigt. Mit ihm kann man zumindest einfache Aussagen über Leitungswiderstände, Stromstärken und die vorhandene Netz- oder Akkuspannung machen.

Ein Stehwellenmessgerät mit Leistungsmessfunktion und ein kleiner Dummy-Load runden das mitzunehmende Material ab.

Auswahl der Unterkunft

Ein entscheidender Faktor ist, so man beabsichtigt vom Hotel oder Ferienwohnung aus die Anlage zu betreiben, diese vorher möglichst sorgfältig zu wählen, was aber nicht ganz einfach ist. Insbesondere macht es immer wieder Schwierigkeiten, Antennen in einer wirksamen Höhe aufzubauen, sei es, dass sich über dem eigenen Appartement noch einige weitere Stockwerke befinden, dass man keinen Zugang zu einer Fläche hat auf der sich eine Antenne unterbringen ließe etc.

Man sollte daher vorher den Reiseprospekt ausführlich auch unter diesem Aspekt studieren, damit es später keine unliebsamen Überraschungen gibt. Ein Hotelklotz wie er an der spanischen Mittelmeerküste zu finden ist, ist denkbar ungeeignet, eine Finca einige Kilometer weiter, die ein 500 m langes Grundstück am Meer hat, ist so ziemlich das Beste was einem in dieser Gegend passieren kann (und oftmals preiswerter als der Hotelbunker).

Der Weg ist das Ziel: Fragen beim Reisen

Probleme am Abflughafen

Wenn man nur wenig Funkausrüstung dabei hat, sollte man diese in jedem Falle in das Handgepäck nehmen. Der Vorteil liegt darin, dass es nicht gestohlen oder beschädigt werden kann (von eigenen Fehlleistungen einmal abgesehen).

Infolge der immer strengeren Sicherheitsrichtlinien (auch wg. 9-11) auf den Flughäfen wird man sich jedoch immer darauf einrichten müssen, dem Personal erklären zu müssen, was man da für eigenartige Gerätschaften mit sich führt. Insbesondere die Durchsuchungen auf dem Frankfurter Flughafen sind seit einigen Jahren sehr gründlich, das verdächtige Handgepäck wird hier mit einem Sauger abgesaugt und die entnommenen Partikel spektroskopisch auf Sprengstoffspuren untersucht. Gravierende Probleme gab es jedoch nie. Interessant ist, dass auch dieses System bestimmte, menschlich bedingte Schwächen, besitzt: Wenn man in seinem Handgepäck mehrere „verdächtige" Gegenstände mitführt, etwa ein Funkgerät und eine Unterwasserlampe, wird i.d.R. nur einer der beiden untersucht, der andere wird nicht beachtet.

Probleme am Zielflughafen

Hier kann es zu unliebsamen Überraschungen kommen. Zum einen kann Fluggepäck verloren gehen oder beschädigt werden. Die Fluggesellschaften betreiben an jedem Flughafen einen „lost luggage counter" an den man sich wenden kann. Ärgerlich bei verlorenem Gepäck ist, dass der Wert nach Gepäckgewicht ersetzt wird und nicht nach tatsächlichem Geldwert bemessen wird. Eine verlorengegangene Funkausrüstung wird vermutlich mit nicht einmal einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes entschädigt. Daher der Rat, zumindest das Funkgerät ins Handgepäck zu nehmen.

Etwas besser sieht es bei Beschädigungen aus, wenn man glaubhaft machen kann, dass die Fluggesellschaft bzw. einer ihrer Subunternehmer die Schuld trifft. Aber auch hier kann die Regulierung des Schadens länger dauern.

Ein weiterer Punkt wurde schon bei den Lizenzbestimmungen erwähnt. Wer ohne gültige Lizenz in ein Land einreist und Funkgeräte mit sich führt ist höchst verdächtig und gilt als Schwarzfunker. In keinem Falle sollte man versuchen, das Funkgerät durch den Zoll zu schmuggeln. Lieber die Geräte einen oder zwei Tage am Flughafen „in Verwahrung" geben und sich in der Zwischenzeit die Lizenz beschaffen, als bei einem Schmuggelversuch erwischt werden und eine Nacht selbst in Gewahrsam zu verbringen. Das Kennenlernen anderer Länder sollte nicht auf der Polizeistation eines Flughafens beginnen.

Wenn man aber doch bei solch einer verzweifelten Aktion erwischt wird, hat es sich bewährt die technische Unkenntnis des Zollpersonals auszunutzen. Ein kleines QRP-Gerät ging bei schon mal als automatisches Ladegerät für eine Tauchlampe durch. Bei größeren kommerziellen Geräte dürfte diese Methode aber scheitern, so blind ist dann wirklich kein Zöllner der Welt.

Zollrechtliche Fragestellungen

Wenn Sie ein Funkgerät legal in ein Land der Welt einführen, müssen Sie immer damit rechnen, dass man Ihnen unterstellt, dass Sie dieses vor Ort unter Umgehung der Zollvorschriften an Einheimische verkaufen könnten. Sie sollten daher vorsichtshalber das Gerät bei der Einreise anmelden. Es wird dann in Ihren Pass eingetragen und Sie müssen beim Verlassen des Landes das Gerät vorweisen, ansonsten wird nachträglich Zoll fällig. Manche ausländische Behörden, z.B. Malta, übersenden mit der Gastlizenz ein Papier, dass es Ihnen ausdrücklich gestattet Amateurfunkgeräte einzuführen. Dieser Service ist an Praxisorientierung nicht mehr zu überbieten.

Standortfragen

Wenn man vom Hotel aus Betrieb machen will, kann man Glück oder Pech haben, wie im Abschnitt „Auswahl der Unterkunft" erläutert. Wenn man Portabelbetrieb macht, sollte man versuchen sich a) von Störquellen (siehe nächster Abschnitt) fernzuhalten und b) möglichst einen leitfähigen Untergrund mit hohem Wasserstand zu haben. Idealerweise befindet man sich an einer Küste und hat das Meer in der bevorzugten Strahlrichtung vor sich.

Störungen

Ein leidiges Problem sind Störungen durch elektrische Phänomene, die man vorher unmöglich erkennen kann. Viele Länder haben noch Freileitungen für die Stromversorgung. Von diesen Leitungen gehen oft, bedingt durch schadhafte Isolatoren, Störungen aus, die sich im Empfänger als ein mehr oder weniger lautes Knattern bemerkbar machen und die unter Umständen jedweden Empfang unterbinden können. Auch mit den Noise-Blankern in modernen Geräten kann man den Empfang nicht signifikant verbessern. Da man auch nicht die Freileitung fällen kann, ohne mit den jeweiligen Landesgesetzen in schärfste Konflikte zu kommen, bleibt nur das Ausweichen auf einen anderen Standort.

Hier hat es der QRP-Amateur natürlich leichter, der seine Gerätschaften einpacken und durch einen, manchmal etwas längeren Fußmarsch, einen ungestörten (im elektrischen und sozialen Sinne) Ort aufsuchen kann. Manchmal findet man sich dann auf einem Berg oder einem Felsen mit Steilabfall direkt über der Küste wieder und hat optimale Funkbedingungen und im Idealfall seine Ruhe.

Die einfachste Ausrüstung

Eine absolute Mindestausstattung für Urlaubsbetrieb besteht aus einem Monobandtransceiver (QRP) für das 20m-Band. Die Wahl fällt auf dieses Band, weil es immer Verkehrsmöglichkeiten über mittlere und große Entfernungen zulässt.

Betrieben wird das Gerät mit einem Akku (12V, 2,5 Ah), der über ein einfaches Ladegerät seine Energie erhält. So ist ununterbrochener Betrieb (SSB) bis zu 3 Stunden möglich.

Die Antenne ist ein balun-symmetrierter Dipol, zusätzlich 2 Stck. 10m-RG58-Kabel. Zusätzlich muss ein kleines SWR-Meßgerät (aus dem CB-Funk) mitgeführt werden, um die Antennenabstimmung zu überwachen.

Viel Spaß im Urlaub es c u in DX!
 

Peter Rachow (1998)